VSW SCHÜLERWETTFAHRT - wie alles begann

Es ist im Regattageschehen nicht allzu häufig, dass eine Wettfahrt - und noch dazu für Kinder und Jugendliche – über einen Zeitraum von 50 Jahren in ununterbrochener Reihenfolge von einem Verein durchgeführt wird. Wie viele Geschehnisse und Erinnerungen sind damit verbunden, wie viele Wettfahrtleitungen und aktive Vereinsmitglieder haben dafür gesorgt, dass fast vier Generationen unseres Nachwuchses hier das seglerische Handwerk erlernen und zeigen konnten?

Begonnen hat alles schon im Jahr 1959 als von der Arbeitsgemeinschaft Bootsbau des Zentralhauses der „Jungen Pioniere“ in Berlin – Lichtenberg der erste dort unter der Leitung unseres Altmitgliedes und erfolgreichen Regattaseglers Achim Keilert gebaute „Cadet“ (1956 von J. Holt in England entwickelt) auf der Ausstellung „Wassersport und Wochenend“ gezeigt werden konnte. Da bis zu diesem Zeitpunkt in den
Vereinen keine speziell für Kinder zugeschnittene Jolle zur Verfügung stand, war das Interesse riesig.

Die Kinder der Arbeitsgruppe hatten natürlich auch großes Interesse daran, die von ihnen gebauten Boote auszuprobieren und nun wurde die Mitgliedschaft von Achim Keilert in der damaligen BSG Motor Lichtenberg zur Realisierung einer Idee genutzt: Pionierhaus und die BSG Motor Lichtenberg – Sektion Segeln schlossen einen Vertrag auf dessen Grundlage in den folgenden Jahren eine Kindergruppe unter dem Motto
„Im Winter bauen – im Sommer segeln“ auf dem Gelände der Segelsektion eine Heimat fand. Über 15 Boote, darunter neben Cadets auch Opti´s, OK- Dingis und das Motorboot „Sputnik“ wurden im Zentralhaus gebaut und fanden ihren Heimathafen in Schmöckwitz.

Das war der Beginn einer über viele Jahre mit Erfolg agierenden Kinder- und Jugendgruppe mit fast professionell von Achim Keilert geführtem Training in den damaligen BSG´s ( Motor Lichtenberg, ab 1972 Gebäudewirtschaft) bis zum heutigen Verein Schmöckwitzer Wassersportler.

Mit dem nur mal Segeln lernen war es bald nicht mehr genug. Die Kinder (und nicht nur die Kinder!) reizte natürlich auch der Vergleich wer der Schnellste wäre. Eine richtige Regatta musste her!!Nach Antrag durch die Sektion und Genehmigung durch den Bezirksfachausschuss Segeln konnte der Wettfahrtleiter Alfred Krause mit dem Quäkton seiner Tröte am 2. September 1961 die „1.Berliner Schülerwettfahrt“ vor den Stegen unsere Segelsektion starten. Insgesamt neun Boote gingen an den Start – vier Cadets, zwei Kükenjollen, eine Jugendjolle und zwei Dingis.

Bei den Cadets siegten C rot / Liermann/ Reh (Motor Lichtenberg) vor C 2501 / H.-G. Wolf (BSG Adlershof) und C 2502 Kneiding/ Kneiding (Motor Köpenick); bei den Jollen Küken / Udo Leipold (BVB) und bei den Dingis Dieter Liepold (Motor Lichtenberg). Der größte Gewinn aber war der Beweis, dass der Cadet eine für die damalige Zeit sehr moderne und sportliche Kinderjolle war.

Bereits im folgenden Jahr konnte die Schülerwettfahrt dann, wie ursprünglich gewünscht zum günstigeren Zeitpunkt am Wochenende, vor den Sommerferien in den Wettfahrtkalender aufgenommen werden.Die Zahl der Meldungen in der Cadetklasse stieg weiter von 12 (1962) auf 19 Boote (1963). Ergänzend fand 1963 im August die 1. Opti – Regatta mit fünf Teilnehmern statt. Mit der Einführung dieser Klasse in die Schülerwettfahrt 1964 erhöhte sich die Teilnehmerzahl so sprunghaft, dass eine Aufteilung der Felder in Jungen und Mädchen erforderlich wurde. Bereits 1970 waren insgesamt 172 Boote am Start.

Zur 25. Schülerwettfahrt konnten wir 225 Boote mit 338 Teilnehmern auf dem Regattakurs begrüßen..Der große Aufschwung des Kinder- und Jugendsports führte dazu, dass auch die Lieferung in Baukastensätzen und die industrielle Herstellung der bekannten und auch neuer Klassen durchsetzbar wurden. So starteten erstmals zur 7. Schülerwettfahrt fünf OK- Dingis und zur 9. Schülerwettfahrt 25 420er- Jollen. Und last not least – seit der 36. Schülerwettfahrt sind auch die Laser- Segler unsere treuen Gäste geworden.

Die breite Konkurrenz verbunden mit einer guten Organisation reizte zunehmend auch Sportgemeinschaften aus den Bezirken Cottbus und Potsdam zur Entsendung von Mannschaften, was wiederum dazu beitrug , dass die Schülerwettfahrt zu einer der großen Qualifizierungsregatten für die DDR – Kinder- und Jugendmeisterschaften wurde.Viele heute nicht nur in Deutschland bekannte Spitzensegler haben ihre ersten Schritte bei unserer Jubilarin getan.

Allein unter den Startern der ersten zehn Jahre finden sich Namen wie

  • Jochen Schümann ( 1966/ O 333/ 5. Platz, 1967/ O 333/ 3. Platz, 1968/ 6. Platz)
  • Wolf- Eberhard Richter (1964/ O 198/ 7.Platz, 1967/ C ?/ 9.Platz, 1968/ C 5281/
    1. Platz)
  • Uwe Steingroß ( 1967/ C 2525/ 1.Platz)
  • Bernd Jäkel/ 1968/ C 5281/ 4.Platz)
  • Astrid Sasse (1969/ O 555/ 1. Platz)
  • Peggy Hardwiger( 1985/ 420-er 640/ 2. Pl. in AK 17-18).

Mögen uns alle verzeihen, die wir Mangels Platz hier unterschlagen mußten! Heute sind es bereits die Kinder und Enkel der vor Jahren mit Begeisterung angetretenen Eltern und Großeltern, die wieder mit Biss und Ehrgeiz den Versuch wagen den Sieg zu erringen.

Das schnelle Wachsen der Teilnehmerzahl wurde neben dem sportlichen Aspekt auch zunehmend zu einer steigenden Anforderung an die Organisation. Sehr bald zeigte sich, dass die vor der Haustür auf dem Langen See möglichen Kurse keine anspruchsvolle und -unter Beachtung der starken Berufsschifffahrt und des hohen Sportbootverkehrs- keine sichere Abwicklung gestatteten. Als Ausweg bot sich der Seddinsee an. Hier konnten bei allen Windrichtungen für die beteiligten Bootsklassen noch anspruchsvolle Kurse ermöglicht werden. Nachteilig war, daß die mit ca. zwei km recht lange Entfernung zum Hafengelände und damit zur Versorgungsbasis ein Verbleiben der Teilnehmer zwischen den Tageswettfahrten auf dem See erforderlich machte. Was tun?

Für die Segler und die Wettfahrtleitung mit dem Sicherungspersonal mussten Verpflegung und Getränke in den Wettfahrtpausen auf dem See bereitgestellt werden. Unter den vor 1990 oft nicht einfachen Bedingungen wurde neben den hierzu nötigen Motorbooten (die samt Bootsführer von benachbarten Sportgemeinschaften und Privatpersonen gechartert wurden) z.B. auch eine Funkverbindung zwischen Wettfahrtleitung und der Organisationsleitung im Hafen auf die Beine gestellt. Auf dem Startschiff befand sich eine der ersten Schießvorrichtungen für Startböller, denn nur mit Ton- und Flaggensignalen waren bis zu 70 am Start versammelte ehrgeizige Kapitäne nicht zu einem korrekten Start zu bringen. Bei den großen Teilnehmerzahlen wurden von der Wasserschutzpolizei bis zu 20 Sicherungsboote gefordert. Diese mussten mit den Booten der Betreuer und begleitender Angehöriger in Einklang gebracht werden, was oft nicht leicht war.

Auch die korrekte Start- und Zieldurchgangregistrierung mit anschließender Ermittlung der Gesamtplazierung erforderte bis zur Einführung der Computer sehr viel Aufwand.
Und während auf dem See um die Lorbeeren gekämpft wurde, mußten auf dem Gelände Hausputzund Entsorgung erledigt werden.Das Alles war und ist nur durch eine exzellente Vorbereitung unter Mitwirkung der gesamten Mitgliedschaft möglich.

Über die vergangenen 50 Jahre haben hier besonders Wettfahrtleiter wie Alfred Krause, Günter Maschke, Wolfgang Woigk, Harald Snowdon, Bertold Hellriegel und andere mit Elan und Ausdauer eine große Leistung weit über die eigentliche Wettfahrt hinaus abgeliefert.Der Lohn hierfür war nicht nur die Begeisterung der Regattateilnehmer auch im nächsten Jahr wieder dabei zu sein, sondern auch der Spaß beim Zuschauen, wenn einige hundert junge Segler mit Cleverness, Fairness und Freude am Wettkampf um Medaillen und Plazierungen kämpften.

Es soll auch nicht unterschlagen werden, dass die finanziellen Möglichkeiten damals wie heute sehr eng waren. Die Zuwendungen der Trägerbetriebe, der staatlichen Stellen im Territorium, des Seglerverbandes, von Zeitungen und auch schon vor der Wende von Privatpersonen wie auch die heutigen Sponsoren haben uns stets geholfen einen würdigen Rahmen zu schaffen. Selbst als in der Wendezeit von 1990 – 1992 kaum Geld vorhanden war, stand es für den neugegründeten Verein Schmöckwitzer Wassersportler außer Zweifel – die Schülerwettfahrt findet statt!

Zum Schluß noch:
die Schülerwettfahrt ging 50mal ohne ernsthaftes Vorkommnis über den See.

 

Christian Horschig

Dank an Jürgen Kneiding, Achim Keilert und Wolfgang Woigk für Ihre Unterstützung bei der Erarbeitung dieses Beitrages

Der erste Cadet in Berlin 1959

Siegerehrung 1961

Geschwister Kneiding

Vor dem Start zur 25.

25. Schülerwettfahrt

420-er 640: Peggy Hardwiger

   


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